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13. Bericht - Lautes Leben im Sarguru-Termpel

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Die Pujas im Tempel sind laut. Mir gefallen die vielen Glocken und Muschelhörner und zu besonderen Anlässen auch Trommeln. Seit ein paar Tagen läute ich abwechselnd mit Maghesh die Handglocke.  Soorya übersetzt beim Zaubern von Englilsch auf Tamil   Eigentlich gibt es genug Zeit, in relativer Ruhe im Tempel meditieren könnte, aber ständig ist irgendetwas und so geht mir die Stille abhanden. Kinder sind täglich hier; für das Wochenende organisieren wir  eine Zaubereivorführung. Das Essen ist einfach, aber ausreichend. Duschen und westliche Toiletten habe ich schon seit 10 Tagen nicht mehr gesehen. Aber es geht auch einfach: Rechte Hand zum Essen - linke Hand zum Reinigen. Sobald man sich dran gewöhnt hat, entdeckt man die Vorteile.  Geschlafen wird auf dem Boden. Daran habe ich mich schnell gewöhnt. Aber es ist etwas Anderes hart hier: Inder haben offenbar keine Probleme laut zu reden, wenn um sie herum schlafende Leute liegen. Maghe...

12. Bericht - Exot und Interview

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Täglich sprechen mich Leute im Sarguru-Tempel an. Fast alle fragen "Where are you from?", andere möchten ein gemeinsames Selfie.  Manchmal, wenn die Leute zu fordernd sind, nervt es mich. 2-3 Mal bin ich  sogar ignorant, weil Burschen mich in schlechtem Englisch kommandieren, zu ihnen rüberzukommen.   Für die Organisatoren des Tempels scheint es günstig zu sein, einen Exoten "präsentieren" zu können, der von weit gekommen ist, um von der göttlichen Wirkung Sargurus zu profitieren.  In einem Interview  mit dem Sarguru-TV-Kamera gestehe ich, dass ich nicht wegen des begnadeten Sargurus gekommen bin, sondern weil man hier als Pilger frei übernachten und essen kann . Die Pläne mit der Veröffentlichung des Interviews werden zunächst verschoben, da die Antworten offenbar nicht den erhofften  Erwartungen entsprechen.   

11. Bericht - Swami & Vestis

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Am folgenden Tag spricht mich der Tempelpriester mit "Swami" an. Da das ein Ehrentitel ist, erwidere ich, dass ich lediglich Pilger sei. Das ist ihm egal. Er deutet an, mir morgen zwei grüne Vestis zu geben, die typisch für die Verehrung im Sarguru-Tempel sind. Später lerne ich, dass "Swami" im weiteren Sinne auch als allgemeine Anrede benutzt wird, so wie man jemanden mit "Mister" oder "Herr" anspricht.

10. Bericht - Trauung im Sarguru-Tempel

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Es findet eine  Hochzeit  im Tempel statt. Beide sind geschieden. - Sie kennen sich aber von klein auf und nun gibt es (hoffentlich) ein Happy End. Ein Organisator ermuntert mich, zur Zeremonie dazu zu kommen und einen Segen für das Paar zu spenden. - Es ist eine kleine Gesellschaft. Der Priester führt in die Zeremonien ein. Er gibt ein Zeichen für mich. Ich  trete  vor das Paar;  mit dem Vesti verknote ich ihre aufeinandergelegten Hände, segne sie und spreche ein paar intuitive Worte .

9. Bericht - Volunteer im Sarguru-Tempel

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Im Tempel bin ich einer unter Dutzenden Volunteers. Ich bin mit Maghesh und zwei Anderen am Devotionalienstand eingeteilt. Man erklärt mir die Preise und wie sie auf Tamil heißen. Meine Hauptarbeit besteht darin, die Andachtsgegenstände zu sortieren und nachzufüllen. Während der Pujas läuten Maghesh und ich abwechselnd eine Handglocke. Das Instrument ist einige Kilo schwer und soll 20 Minuten am Stück geschwenkt werden. Erst nach paar Tagen kann ich den Rhythmus halten.    Es ist gut hier und man bietet mir an, eine längere Weile zu bleiben.    

8. Bericht - Polizeistation Palani

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Am nächsten Morgen sind wir pünktlich auf der Polizeistation. Ein Beamter holt den Beutel, stellt sich mit mir vor eine Wand, hält den Beutel zwischen uns, ein anderer Beamter fotografiert die Szene, dann übergibt er den Beutel in meine Hände. Ein kurzer Blick hinein: Es ist nichts Wichtiges drin. Aber das Zeichen ist großartig! Danke. Nicht genug damit: Maghesh erklärt, dass die Polizei dem ehrlichen Tuc-Tuc-Fahrer eine Belohnung gegeben hatte. Und dass das Foto der Beutel-Übergabe in der Zeitung erscheinen soll - für das positive Image der Palani-Polizei.      

7. Bericht - Im Sarguru-Tempel - Puja & Wunder

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  Während  der Priester und sein Sohn mit Licht und Räucherstäbchen bei der Puja alle wichtigen Objekte bzw. das Heilige dahinter ehren ,  spüre ich derweil dem Schmerz des verlorenen Beutels nach. Ja, ich kann ihn gehen lassen und vertraue, dass mir die Vorsehung alles das geben wird, was ich im jeweiligen Moment brauchen werde. Als es Zeit zum Schlafen gehen wird, scheint Sarguru mein Problem schon gelöst zu haben: Maghesh fragt mich, ob ich ein Gepäckstück vermissen würde. Aber - das kann doch nicht sein ... wie geht das? - Maghesh sagt nur, dass wir den Beutel morgen früh um 7 Uhr an der Polizeistation in Palani abholen sollen.   Ich nehme mir vor, in Zukunft Tuc-Tuc-Fahrern gegenüber  großzügiger  zu sein.

6. Bericht - 8.11.21 - SARGURU & Ankommen im Tempel

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Am Abend komme ich in Palani, einem großen Wallfahrtsort, an. Der Tempel, in dem man gratis Übernachten und Essen kann, ist aber außerhalb. Nicht 4 Km und auch nicht 6 Km entfernt, wie manche Hilfsbereite versicherten, sondern 11 Kilometer in Kanakkanpatti. Diese Distanz schaffe ich nicht mehr zu Fuß, also entscheide ich, ein Tuc-Tuc zu nehmen. Der Fahrpreis liegt weit über meinem begrenzten Budget. Ich versuche den Preis zu drücken. Als wir am Tempel ankommen, verlangt der Fahrer mehr Fahrgeld als wir vereinbart hatten. Ich bin hart und lasse mich nicht drauf ein. Er fährt ab. Ich gehe dem Tempel des Heiligen entgegen. Da durchfährt es mich: Ich habe einen Beutel hinten im Stauraum des Tuc-Tucs liegen lassen. Wenn ich dem Fahrer noch einen kleinen Geldschein mehr gegeben hätte, hätte ich es bemerkt. Kurze Panik entsteht einschließlich reumütiger Einsicht in die Konsequenzen meiner Härte. Nebenan steht ein anderes Tuc-Tuc, mit dem könnte ich ihm hinterherfahren. Aber nein, sinn...

C. Interview - Über das Segnen

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٭        Du hattest erwähnt, dass du bei Gelegenheit Leute würdest, dass sie ihre Hände auf deinen Kopf legen und dich segnen sollen, während du vor ihnen kniest. Ich würde das iemals tun! Es ist peinlich!  o  Peinlich?! Das finde ich schade. Es ist sicherlich in vielen Gegenden ungewohnt oder nur Priester tun so was. Aber was ist dann unser Selbstbild? Warum reduzieren wir unsere Möglichkeiten bei diesem Thema? Wir sind doch frei und müssen nicht unnötig bescheiden sein. Wir brauchen untereinander Rituale, mit denen wir etwas Tieferes ausdrücken! – Stelle dir doch vor, wie du dich als Mensch fühlen wirst, wenn du einem Anderen in einer Bedürfnissituation nicht nur hilfst, sondern ihm am Ende die Hände auflegst und gute Wünsche zufließen lässt? Das ist ungewohnt, ja, aber es tut einem selber so gut und lässt einen wachsen. Es gibt das biblische Wort: Geben ist seliger als Nehmen. Ich bin sicher, du würdest dich hinterher mehr großartig als beschämt fühlen...

5. Bericht - 7.11.21 - Glück & Pech & noch mehr Glück

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  Die Nacht unter dem Seitendach des verlassenen Hauses war erträglich. Ich hatte die zweite Schlafmatte in den dünnen Schlafsack eingezogen und mich damit zugedeckt, um besseren Schutz gegen die Kälte zu haben.  Ein fremder Mann taucht am Morgen auf. Er sieht zu, wie ich meine Sachen einpacke. Seine Worte klingen nach "Ich solle hier weggehen".  Paar Minuten später ist er wieder da, grade, als ich aufbrechen möchte. Er ist jetzt netter und beanwortet meine Zeichensprache-Frage, wo man einen Milk-Tea trinken kann. Am ersten Tee-Stand bzw. an der ersten Imbissbude gibt es Snacks. Ich bestelle etwas und reinige meine neue Plastikunterlage. Der Besitzer wundert sich über mein Aussehen und das Gepäck und fragt etwas. Ich ahne den Inhalt seiner Frage und antworte mit Bruchstücken und Gesten. Als ich bezahlen möchte, winkt er ab - eingeladen. ......................................................... Bald danach die nächste Tee-Bude: Ich habe jetzt richtig Frühstückshunger und b...

4. Bericht - 6.11.21 - Es geht weiter

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Ein schöner Samstag morgen. Die Sonne scheint und gewährt prachtvolle Ausblicke auf das Gebirge um den Perumal. Es tut gut, wieder eine Weile alleine zu sein. und den Blick der inneren Ruhe zuzuwenden. Die Straße führt nochmal nach oben. Es wird dunstig-nebelig und regnet.  Nach dem Kamm geht es nur noch sanft bergab. Gegen Abend halte ich Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsquartier. In einem schön gelegenen Waldabschnitt lässt sich eine chice Resortanlage ausmachen, die sich noch im Bau befindet. Ich finde einen Durchschlupf und sehe an den unfertigen Bauten Zeichen von Behausung. Ich mache mich bemerkbar und trage mein Anliegen vor. Aber die Arbeiter weisen mich ab, weil es vom Eigentümer her Auflagen gibt,: Fremden ist der Zutritt verwehrt. Als es kurz später zu Dunkeln beginnt, entdecke ich ein verlassenes Forsthaus. Türen und Fenster sind verriegelt. Aber das Dach geht auf einer Seite weit nach unten so dass man ein regengeschütztes Nachtlager aufbauen kann. I...

3. Bericht - 5.11.21 - Beim Pastorenehepaar

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Am nächsten Morgen im Haus des Pastorenehepaares: Man kümmert sich gut um uns - besonders um den 20-jährigen Adarsh, der von zu Hause ausgerissen ist. Er tut mir Leid, weil Umar, die Pastorenehefrau, nicht aufhört, ihm in der Landessprache ordentlich ins Gewissen reden. Sie versucht ihm vor allem klar zu machen, wie seine Eltern sich fühlen. Zwischendurch werbe ich bei ihr um Verständnis für seinen Versuch, sich vom Druck des Elternhauses zu befreien. Der Pastor scheint ebenfalls Verständnis für das Erfahrungssammeln des jungen Abenteurers zu haben. Immer wieder achte ich darauf, wie sich das Alles im eigenen Bauch anfühlt und merke, dass das innere "Selbst" einen wohltuenden Abstand zu halten in der Lage ist. Nach dem Frühstück fasse ich mir ein Herz und frage Wasan und Umar, ob sie mir die Hände zum Segnen auflegen würden.  Umar animiert Wasan, dass er sich seine feierliche Robe dafür anzieht; selber möchte sie den Segen aber nicht spenden. Dafür überrascht uns Adarsh: Er...