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E. Interview - Nach mehr als 9 Monaten

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-          9 Monate sind vergangen. Wie geht es dir körperlich? o   Manchmal schmerzen die Schultern vom Tragen des Gepäcks; mit einem professionellen Wanderrucksack wären diese Schmerzen geringer, aber es stört nur wenig. In der Regenzeit aber, auch als ich neue Sandalen gekauft hatte, gab es öfters Wunden an den Füßen. Einmal war es so schlimm, dass ich acht Tage an einem Ort pausierne musste. - Ganz untypisch hatte mich einmal ein friedlicher Hund gebissen, einfach so. - Ansonsten: Bei den morgendlichen Fitnessübungen knirschen manchmal ein paar Knochen; das lässt nach ein paar Wiederholungen aber nach. – Beim Essen ist es so: Wenn es sehr scharf ist, schmerzt manchmal der Magen. Darum, wenn Leute nach Essenswünschen fragen, bitte ich um weniger Schärfe. - Ansonsten fühle ich mich kerngesund. -          Und wie geht es mental? Hattest du manchmal Gedanken, die Reise abzubrechen? o   Tats...

60. Bericht - Alte Männer & China

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Es ist immer wieder schön, in Dörfern an einem Tee-Stand oder vor einem Tempel vorbeizukommen und dort Männer sitzen zu sehen. Viele gucken zunächst gleichgültig. Irgendeiner dreht aber sein Handgelenk und signalisiert, dass er aufgeklärt werden möchte, weil ein Fremder in indischen Kleidungsstücken durch ihr Dorf zieht.  Die meisten sind zufrieden, wenn sie wissen, woher ich komme und dass ich als Pilger Richtung Rajasthan unterwegs bin. Allmählich funktionieren auf Maharathi aber auch Fragen zur Familie, was offenbar wichtig ist. Viele der Älteren senden nach diesem Wortwechsel ein warmes Willkommensgefühl aus. Egal was noch geredet oder verstanden wird, es ist eine herzlich-schöne Freundlichkeit zu fühlen. Das ist der schöne Teil. Es gibt aber auch einen seltsam-lustigen: Schon in den südlichen Bundesstaaten wunderte ich mich über ein sehr häufiges  Missverständnis. Sowohl Junge als auch Alte verstehen bei der Frage nach meiner Herkunft CHINA und nicht GERMANY. Ich rätsle, ...

59. Bericht - Immer schnelleres Indien

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    Die westliche Dynamik von IMMER SCHNELLER  &  IMMER MEHR  wird auch in Indien zunehmend erfahrbarer.  Im ganzen Süden Indiens entstehen vielspurige Autobahnen. Ich staune über riesige Straßenbaufahrzeuge. Gleichzeitig wird Whisky wichtiger. Immer öfter begegne ich betrunkenen Männern. Manchmal wirken sie bedrohlich; manchmal schlafen sie im Dreck. Immer ist es ein großes Unglückszeichen.

58. Bericht - Yoga & Körperliche Fitness

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Ein paar Tage ohne Yoga – und ich fühle mich alt und gebrechlich. Mit Yoga fühle ich mich elastisch und biegsam wie eine junge Gerte. Mehrere indische Yoga-Lehrer klärten mich auf, dass Yoga eigentlich das ruhige Sitzenkönnen über einen längeren Zeitraum trainieren soll. Mir ist es beim Yoga vor allem wichtig, in unterschiedlichen Körperhaltungen achtsam auf das Innenleben zu sein. Ziel ist, in den vielfältigen Bewegungen des Alltages einen achtsamen Draht auf die inneren Empfindungen zu haben. Schnell zu bemerken, was im Körper geschieht, wenn ich dies oder das erlebe.   Seit ich Vipassana kenne und achtsam auf das Innenleben bin, ist es keine Frage mehr, dass Körper und Geist zwei Seiten der gleichen Medaille sind: Alles, was sich im Kopf als Gedanken, Gefühle, Ängste als Wünsche abspielt, schlägt sich im Körper nieder.   Andererseits sind meine körperlichen Beschwerden meist eine schmerzlich-klare Botschaft, dass im Denken bzw. im Gemüt etwas nicht in Ordnung ...

57. Bericht - Toilettengewohnheiten

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In ländlichen Gegenden spazieren beim frühen Tageslicht Leute mit einem kleinen Wasserbehältnis zum Dorf hinaus und suchen sich ein Plätzchen im Gebüsch. Männer und Frauen haben verschiedene Reviere. Manchmal hocken sie zusammen und erzählen dabei. Jemand erklärte, dass Leute auch dann gerne in die Natur gehen, wenn sie zu Hause eine Toilette haben. Aufklärungstafel in einem Dorf Von offizieller Seite versucht man, die Leute zu mehr Hygiene zu erziehen. Ich würde ja gerne öfters bequem auf einer sauberen Klobrille sitzen,   aber: Es ist, wie es ist! - Manchmal sind die Wege zum Dorf raus gut einen halben Kilometer weit. Einmal aber staunte ich. In dem Revier für Männer trollten sich auch einige freilaufende Schweine herum. Kaum dass ich fertig war und die Hose wieder hochgezog, kam ein Tierchen und verschlang mit zwei Haps mein Morgengeschäft.  Ein staunenswerter Kreislauf. Die Natur hat an alles gedacht.

56. Bericht - Nützliche Arbeiten

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Nicht alles funktioniert gut im schönen Indien. Aber das ist irgendwie gut für mich! Steinplatte und Boden: DAVOR: Steinplatte und Boden: DANACH: Seit einigen Wochen nämlich habe ich regelmäßig ein Päckchen Rasierklingen bei mir, um z.B. in Tempeln Farbflecken vom Boden wegzukratzen. Auf glatten Flächen klappt das ganz einfach und da die Maler bei ihrer Arbeit offenbar selten etwas abkleben, findet man viele Gelegenheiten, um Farbflecken wegzukratzen. Zwar ist die Haut meiner Fingerkuppen permanent leicht zerschnitten, aber das ist ein kleines Problem. Ehrlich gesagt ist diese Arbeit sehr befriedigend, weil man schnell schöne Ergebnisse sieht und man einen bedeutsamen Ort verschönert hat. Immer öfter meditiere ich beim Farbfleckenkratzen: So, wie man mit Hilfe von Vipassana die inneren unreinen Flecken ansehen und ihr Verschwinden erleben kann, so ähnlich möchte ich äußere Unreinheiten entdecken, sie bewusst wahrnehmen und verschwinden sehen. Meistens geschieht das Kratzen anonym; manc...

55. Bericht - Gute Tat

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Nicht nur der Reisverschluss am schönen, gestickten Brustbeutel ist eingerissen, nun ist auch noch der Kordel abgerissen. Gott-sei-Dank findet man fast in jedem Ort einen Schneider. Oft benutzen sie noch gußeiserne Nähmaschinen mit Fußpedal und Schwungrad. Auch der stille Mann sitzt hinter einer solchen. Er macht mit dem Kopf eine kurze Bewegung, dass ich ihm den Beutel bringen soll. Er hat eine ruhige-vornehm-schöne Ausstrahlung. Allerdings, und das sieht doch komisch aus, hat sein rechtes Brillenglas einen dicken Sprung. Während er sich geschickt an die Reparatur des Brustbeutels macht, denke ich, dass das gesprungene Brillenglas nicht gut sein kann. Das könnte evtl. neue Sehfehler auslösen oder Kopfweh verursachen oder ... Eigentlich wollte ich nicht negativ denken, aber hier ist ein Problem offensichtlich. Der gute Mann ist schon fertig mit dem Brustbeutel. Eine gute Arbeit hat er gemacht. Sein Lohn – er verlangt nichts. Aber ich gebe ihm trotzdem etwas. Bereitwillig probiert er ...

54. Bericht - Schlafplätze

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Schlafplatz: Unten eine  große Plastikplane, oben eine Yogamatte,da- zwischen eine dünne Decke. Vestis dienen als Bettlaken - hinten ein kleines Kopfkissen. Es klingt kaum vorstellbar, aber es ist wahr: Ich sorge mich nicht mehr um Schlafstätten. Jeden Abend finde ich einen Tempel, eine Schule, ein öffentliches Gebäude, wo ich sicher, gut und tief schlafen kann. Manchmal laden mich wohlhabendere Leute zu sich nach Hause ein. Aber ich spüre, dass solche netten und durchaus komfortablen Einladungen irgendwie belasten. Ist es eine heimlich Angst bei den Gastgebern oder bei mir, dass ich deren Vertrauen missbrauchen könnte?   Oder sind es die unterschiedlichen kulturellen Erwartungen an einen so fremden Gast?  Ehrlich, draußen auf meiner Matte schlafen ist prima. Wichtig ist lediglich, dass es weder zu kalt noch zu heiß ist. Wenn es dann irgendwo noch einen Wasserhahn oder eine Badegelegenheit in der Nähe gibt – prima. Manchmal warnen mich Leute, weil Diebe in der Nacht...

53. Bericht - Bijapur

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Bijapur  heißt heute wieder  Vijajapur.  Die Stadt gehört zu denen, die jetzt wieder so heißen wie vor der englischen Kolonialherrschaft. Die aktuelle Regierung unter Premierminister MODI fördert das hinduistische Selbstverständnis. Einerseits freut mich das, damit Indien sich besser von westlicher Einflussnahme abgrenzen kann. Aber nicht alle profitieren davon: Schon viele Male wurde ich an einer christlichen Einrichtung als Pilger willkommen geheißen, aber nie für lange, weil die Verantwortlichen mit Schwierigkeiten von Seiten der Regierung rechnen müssen. In islamischen Moscheen hatte ich bisher gar kein Glück und wurde immer ganz schnell mit meinen Anfragen abgewiesen.  Dabei gründet sich der Ruhm der Stadt ganz wesentlich auf ihre muslimischen Herrschaftszeiten und die vielen bedeutenden Baudenkmäler haben entsprechende Wurzeln. GOL GUMBAZ: Grabstätte für Sultan Adil Shah I BARA KAMAN: Grabstätte für Ali Adil Shah II IBRAHIM RAUZA: Grabstätte für  Adil Shah...

52. Bericht - Aggressionen 2

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Gol Gumbaz, muslimisches Mausoleum Hunderte Leute strömen auf die Eingangshalle des Gol Gumbaz zu.   Das Mausoleum besteht aus einem schlichten Innenbau mit vier großen Ecktürmen.  Von der Kuppel herunter hört man eigenartige Schreie. Sie entstehen durch den Echoeffekt der damals viertgrößten Kuppel in der Architekturgeschichte.   7-stöckige Ecktürme Der vordere Eckturm dient als Aufgang. Eine große Menschentraube versucht, durch eine schmale Türöffnung in das Treppenhaus zu gelangen. Aber es staut sich, weil alle gleichzeitig rein wollen. Ein gutmütiger Aufseher bemüht sich vergebens, Ordnung in die Menschengruppe zu bringen. Geordnetes Schlangenstehen funktioniert in Indien eher selten. Selber stehe ich auf der "richtigen" Schlangenseite und beobachte mit Bauchgrummeln, wie sich auf der falschen Seite neu hinzukommende Leute wieder nach vorne drängeln.  Da drückt es bei mir hinten. Ein jüngeres Mädchen quetscht sich zwischen mir und der Wand hindurch. Gut, ich...

51. Bericht - Aggressionen 1

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  Vijayapura im Norden Karnatakas. Auf Fotos sieht Gol Gumbaz  bescheiden aus, Aber nun erkennt man die gigantischen Ausmaße  des Mausoleums des muslimischen Herrschers Adil Shah I. Ich stehe vorm Ticket-Schalter und  sehe, dass auch hier die Eintrittspreise für Ausländer 12x höher sind als für Inder. Das ist auf meinem Pilgerweg schon oft vorgekommen. Und ich finde das unfair, weil ... -          ... weil in Deutschland für Ausländer die gleichen Eintrittspreise wie für Einheimische gelten (manchmal gibt es sogar Ermäßigungen) -          ... weil ich während meiner Lehrtätigkeit am Goethe-Institut Bangalore genau das gleiche Stundenhonorar bekommen hatte wie die Einheimischen und damals schon oft mehr bezahlten musste, aber nie mehr bekam -          ... weil ich 12x teurer einfach übertrieben gewinnorientiert finde -...

50. Bericht - 2. Verfolgung

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  Frauen vor der Einweihung eines neuen Hauses Der erste Abend in der Schule dieses Dorfes war sehr schön: Man hatte mir ein Klassenzimmer mit Vorhängeschloss zur Verfügung gestellt, Essen und Trinken gebracht, eine Waschgelegenheit organisiert, einige besondere Menschen hatten interessante Fragen, das Zaubern wurde wohlwollend angenommen und am Morgen sahen mir einige Kinder beim Yoga zu und imitiierten Asanas.   Nun lädt man mich sogar ein, des Dorffestes wegen einen weiteren Tag zu bleiben. Am Abend werden Dorfleute sogar ein Theaterstück über die Konsequenzen von negativen Verhaltensweisen zeigen. Schön, auch als Erzieher und Lehrer nehme ich das Angebot gerne an. Am Vormittag sehe ich allerlei Festvorbereitungen im Dorf zu. Für den frühen Abend vereinbaren wir eine größere Zaubereivorführung. Und die Kinder werden informiert, am nächsen Morgen beim Yoga mitzumachen und den Sonnengruß zu lernen. Um die Mittagszeit herum meditiere und ruhe ich im Klassenzimmer. Einige...